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Osteosarkom

Operation

Ziel                                                                                                                  

Ziel der Operation sollte vorrangig immer die Entfernung des Tumors im sicher gesunden Gewebe sein. Hierbei sollten nach der Definition von Enneking et al (1980) weite Resektionsgrenzen erreicht werden. Weite Resektionsgrenzen bedeuten, dass der Tumor inclusive des Biopsiekanals und der Biopsienarbe unverletzt (= nicht eröffnet) und allseitig umhüllt von einer durchgehenden Schicht gesunden Gewebes entfernt wird. Dies kann im Einzelfall durch extremitätenerhaltende Verfahren erreicht werden oder den Verlust eines Abschnitts einer Extremität bedeuten (=ablative Verfahren).
Wie dick die Schicht allseitig umhüllende Schicht an gesunden Gewebe sein muss (= erforderlicher Sicherheitsabstand) hängt u.a. auch vom Grad des Tumoransprechens ab, d.h. wie stark der Tumor durch die bereits durchgeführte Chemotherapie geschädigt und verkleinert worden ist.  Bei schlecht ansprechenden Tumoren kann es unter Umständen im Einzelfall wegen der Lokalrezidivgefahr (= Rückkehr des Tumors nach seiner Entfernung am ehemaligen Entstehungsort) mit ihren Folgen besser sein, auf eine extremitätenerhaltende Operation zu verzichten. Auf die sorgfältige Kontrolle des Tumorverlaufs unter der präoperativen Chemotherapie und auf die Verantwortlichkeit des behandelnden Arztes - im (seltenen) Einzelfall - eine vorzeitige Operation zu indizieren, sei hingewiesen.

Extremitätenerhaltene Operationen

Mehr als 80% der Patienten mit Osteosarkomen können heute extremitätenerhaltend operiert werden. Zu den etablierten Wiederherstellungsmöglichkeiten bei extremitätenerhaltenden Operationen zählen die Tumorendoprothese (= Wiederherstellung des entfernten Knochens durch einen künstlich hergestellten Ersatz aus Metall/Kunststoff), biologische Rekonstruktionen (= Wiederherstellung des entfernten Knochens durch einen  körpereigenen Knochen) z.B. Fibulainterposition, Segmenttransfer oder Hüftverschiebeplastik und im deutschsprachigen Raum seltener Allografts (= Wiederherstellung des entfernten Knochens durch einen Knochen eines anderen Menschen). Eine Sonderstellung zwischen extremitätenerhaltenen und den ablativen Operationsverfahren nimmt die Umkehrplastik ein. Bei einem Osteosarkom des Oberschenkels oberhalb des Knies bedeutet eine Umkehrplastik, dass nach Entfernung des tumortragenden Abschnittes (Knie und ein Teil des Oberschenkels) der Unterschenkel mit Fuß um 180° gedreht und am Oberschenkel angesetzt wird. Nun kann das Fußgelenk auf Höhe des ehemaligen Knies die Aufgabe des Knies übernehmen. Hierdurch kann im Vergleich zur Amputation die Funktion des Beines verbessert werden, da ein Gelenk weniger verloren geht.  Die Umkehrplastik  stellt im Kindesalter eine vernünftige Alternative zur Amputation oder den bislang komplikationsreicheren Wachstumsendoprothesen dar. Wenn immer möglich, werden biologische Rekonstruktionsverfahren favorisiert, da sie ein dauerhaftes Ergebnis realisieren können.
Der Vorteil der Tumorendoprothetik liegt in der hohen Primärstabilität, jedoch sind im langfristigen Verlauf Folgeeingriffe aufgrund von mechanischen Komplikationen oder Infektionen sehr häufig. Die Beckenendoprothetik hat bei Patienten mit einem Osteosarkom aufgrund der hohen Komplikationsrate und dem schlechten funktionellen Outcome heute kaum noch einen Stellenwert. Hier sind biologische Rekonstruktionsverfahren, wie z.B. die Hüftverschiebeplastik erfolgversprechender.

Ablative Operationsverfahren

Ablative Operationsverfahren stellen kein Versagen des Operateurs oder des Therapiekonzepts dar, sondern können im Einzelfall aufgrund der Tumorlokalisation, der Tumorausdehnung, des Ansprechens auf die vor der Operation durchgeführte Chemotherapie und nicht zuletzt aufgrund des sehr jungen Alters einiger Patienten auch heute induziert sein. Vor einer ablativen Operation sollte eine Zweitmeinung des Operations-Panels der COSS-Studie eingeholt werden. 





Resektionsgrenzen nach Ennenking