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Osteosarkom

Nebenwirkungen der Chemotherapie

Allgemeines

Chemotherapie verursacht neben den erwünschten Wirkungen auch Nebenwirkungen. Man muss dabei zwischen akuten Nebenwirkungen während oder unmittelbar nach der Behandlung und den Spätfolgen der Behandlung unterscheiden.

Die akuten Nebenwirkungen der Chemotherapie sind individuell unterschiedlich stark ausgeprägt. Folgende akute Nebenwirkungen sind häufig: Übelkeit und Erbrechen, Haarausfall, Schleimhautentzündungen (Mund, Darm), Schädigung des Knochenmarks und Störung der Blutbildung. Sinkt die Konzentration der weißen Zellen im Blut (Leukozyten), so ist mit einer erhöhten Infektionsgefahr zu rechnen. Ein Abfall der Blutplättchen (Thrombozyten) birgt die Gefahr von Blutungen und Hämatomen. Ein Mangel an roten Blutzellen kann zu allgemeiner Schwäche, Kopfschmerzen, leichter Ermüdbarkeit und Kurzatmigkeit führen.

Nur Zentren, die über ausreichende Erfahrung mit komplexen Chemotherapien und der Beherrschung ihrer Nebenwirkungen verfügen, sollten Osteosarkompatienten behandeln.


Schädigung des Herzens (= Kardiotoxizität)

Doxorubicin (= Adriamycin) ist essentieller Bestandteil der Osteosarkom-Chemotherapie. Das Herz kann durch das Doxorubicin jedoch geschädigt werden. Sehr schwere Schädigungen sind mit den derzeit verwendeten Osteosarkom-Protokollen jedoch eher selten. Klinisch tretten diese als sog. dilatative Kardiomyopathie in Erscheinung. Riskiofaktoren sind die kumulative Dosis und die Dauer der Infusion (kurze Infusion = höheres Risiko). Um die Herzfunktion zu überprüfen, eignet sich die Echokardiographie, die vor Doxorubicingabe und in der Langzeitnachsorge zum Einsatz kommt.

Schädigung des Gehörs

Hörverluste können durch Cisplatin verursacht werden und betreffen meist beide Ohren. In der Regel beginnen die Hörverluste den oberen Frequenzbereich. Sie können aber auch auf die tieferen Frequenzen des Hauptsprachbereiches übergreifen.  Als Risikofaktoren gelten u. a. hohe kumulative Dosen, hohe Spitzenspiegel, geringes Lebensalter und Lärmbelastung. Vor Cisplatingabe wird das Hörvermögen mit dem sog. Audiogramm überprüft.

Schädigung der Niere (=Nephrotoxizität)

Die Funktion der Niere kann durch Hochdosis-Methotrexat, Cisplatin und Ifosfamid beeinträchtigt werden. Ist die Ausscheidung von Hochdosis-Methotrexat über die Nieren verzögert und entsteht ein Nierenversagen, wird die Exposition des Patienten gegenüber MTX verlängert und das Risiko für andere Methotrexat-Toxizitäten wie z.B. Dermatitis oder Mukositis erhöht. Um solsche Nebenwirkungen zu vermeiden, erfordert die Methotrexat-Gabe umfangreiche Supportivmaßnahmen. An damit erfahrenen Einrichtungen sind schwerste Methotrexat-Nebenwirkungen selten.

Cisplatin kann die Rückresorption von Elektrolyten (Magnesium, Calcium, Kalium)  in der Niere stören und auch durch direkte Schädigung der Oberflächenzellen der Niere zu einem Verlust an Magnesium führen. Folge ist ein Mangel an diesen Elektrolyten im Körper. Aber auch die Filtrationsrate der Niere (GFR) wird dosisabhängig beeinflusst. 

Ifosfamid beeinträchtigt die Rückresorption von bestimmten Stoffen (u.a. Glucose, Aminosäuren, Phopshat und Bicarbonat). Dies kann zu Störungen des Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushaltes und zu einer unzureichenden Mineralisation des Knochens führen. Als Risikofaktoren gelten hohe kumulative Ifosfamid-Dosen, gleichzeitige Therapie mit Cisplatin und der Verlust einer Niere. Weiterhin kann Ifosfamid zu einer hämorrhagischen Harnblasenentzündung führen. Werden die erforderlichen Voruntersuchungen und die notwendigen Begleitmaßnahmen an erfahrenen Zentren durchgeführt, so treten schwere Nierenfunktionsstörungen nur selten auf.

Infertilität

Cisplatin und Ifosfamid können die Fertilität (=Fruchtbarkeit) beeinträchtigen. Männer entwickeln Fertilitätsstörungen bereits bei geringen Dosen von Ifosfamid als Frauen. Ihnen wird empfohlen, vor Therapiebeginn Sperma einzulagern.

Sekundärmalignome

Das Risiko für Patienten nach einer Behandlung eines Osteosarkoms  eine weitere Krebserkrankung zu erleiden ist im Vergleich zur restlichen Bevölkerung erhöht. Etwa 2-4 Prozent aller Patienten entwickeln Sekundärmalignome. Ein erhöhtes Risiko besteht in absteigender Reihenfolge u.a. für Leukämien, myelodysplatische Syndrome, Brustkrebs und Hirntumore.